Gestern Nacht von Milena geträumt. Von Milena und mir. Wir liegen zusammen auf einer Wiese. Eigentlich ist es keine Wiese, eher so etwas wie eine Heidelandschaft. Steinig und mit niedriger, hartlaubiger Vegetation. Es ist aber nicht unbequem. Das Heidekraut bereitet uns eine weiche, daunige Decke, in die man ein bisschen einsinkt, wenn man sich hinlegt. Es könnte Spanien sein oder die Müritz oder etwas ganz anderes, aber das ist auch gar nicht wichtig.
Wir liegen nebeneinander, ich, links von ihr, aufgestützt auf meinen Ellbogen, schaue in ihr Gesicht. Sie hat dieses Lächeln. La bouche. Ihr Mund gross und rosig, mit sehr weissen Zähnen, ihr breites, offenes Lächeln. Ganz offenbar sind wir glücklich. Les yieux. Ihre Augen braun und weit geöffnet, die Sonne ist nicht so grell. Milena schaut zu mir hoch, lächelt und blickt mit grossen Augen in mein Gesicht, das schräg über ihr ist. Sonst nichts. Unsere beiden Hände sind ineinander verknäult, ihre langen, braunen Finger winden sich zwischen meine, wir spielen. Ich nehme ihre Hand und halte sie nach oben, gegen den Himmel, dann wieder lege ich sie auf ihren Bauch, meine darüber, so ein wenig beschützend, und wir reden. Milena trägt ein rotes T-Shirt. Wir wissen, dass wir glücklich sind und dass niemand uns hier stören wird, aber da ist auch noch ein anderes Gefühl, ein anderer Ausdruck in unseren Blicken: Es kann nicht sein, es ist nur vorläufig. Wir sagen es nicht, aber wir wissen es. Der Tag ist flüchtig. Als ich wieder daran denke, nehme ich den Kopf ein wenig hoch und schaue über das Land. Der Himmel liegt blass über der dunklen Heide, der Granit von demselben fahlen Grau, es ist warm aber es geht ein Wind, der die Büsche zittern lässt. Ansonsten Stille.
Ich bin zu ihr zurückgekehrt, es ist noch nicht ganz Frühling, vielleicht Anfang März, aber das war es, was ich gewollt hatte: mit ihr hier draussen liegen nach einem kalten, verregneten Winter.
Wir versuchen uns nicht in Erklärungen. Milena fragt nicht: Hast du gefunden was du gesucht hast, dort in Spanien? Ich frage nicht: Hast du dir gewünscht, dass ich bei dir bleibe damals? (ich kenne die Antwort, ich muss sie nicht hören). Milena hatte nicht erwartet, dass ich zurückkomme. Ich wohl auch nicht. Ich schaue wieder hoch, auf den Ginster und die raue, leicht gewellte Ebene und frage mich, was ich denke: Ob man eine zweite Chance bekommt, später, wenn man sich mehr bereit fühlt. Ob ich ihr jetzt gewachsen wäre (denn das war ich damals nicht). Ob sich ein halbes Jahr überbrücken lässt, zusammenschrumpfen, und man an demselben Punkt wieder ansetzen kann ohne Unbehagen, ohne das Gefühl, ein Stück Leben verloren zu haben. Oder dazugewonnen. Ob Milena sich eine dieser Fragen stellen würde. Wust in meinem Kopf. Das hat offenbar nicht nachgelassen.




